Weg mit §219a in weiß auf einem fuchsiafarbenem Hintergrund

Zunächst hatte ich natürlich überlegt, ob ich dieses Artikel hier nicht eher drüben auf meinem Spaßblog schreiben sollte, allerdings ist es ja doch eher ein Informatik-Thema und ein Artikel über die Entwicklung eines WordPress-Plugins ist auf so einer Business-Website sicherlich auch ganz gut aufgehoben, zumal es auch zeigt, wie ich als Informatiker und Software-Entwickler, aber vielleicht auch als Person ticke. Ja okay, ich bilde mir auch ein, dass es vielleicht ganz gute Werbung sein könnte – da müssen wir ehrlich sein. Also hier bin ich: Marco Friedesdorf, Software Entwickler, Blogger, Lebemann und nun auch ganz offiziell und korrekt WordPress-Plugin-Entwickler! Bucht mich!

Worum geht’s und was ist eigentlich die Motivation?

Vermutlich werden es einige mitbekommen haben, aber es ist leider ein Fakt, dass man nicht über Schwangerschaftsabbrüche informieren darf, wenn man sie anbietet. Kurioserweise bedeutet das aber, dass man sehr wohl darüber informieren darf, wenn man sie nicht anbietet. Das steht so im §219a StGB und sorgte zum Beispiel dafür, dass Frau Dr. Hänel, die so ein bisschen zur Galionsfigur in dieser Geschichte wurde, deswegen zunächst angezeigt und zu einer Geldstrafe verurteilt wurde und später auch eine Verfassungsbeschwerde einlegte.
Ehrlicherweise bekam ich das auch nur eher am Rande mit, da ich da auch eher die Haltung vertrat, dass man ja durchaus darüber informieren könne und mich das zunächst eigentlich gar nicht so betrifft, bis ich mir die Geschichte näher anschaute und eben oben genannten Fakt erkannte. Sicherlich später als alle anderen, aber meine Verwirrung war genauso real, denn wo sollte ich denn am besten über Schwangerschaftsabbrüche informiert werden können, wenn nicht auf den Websites der Leute, die diese auch anbieten? Die Argumentation, dass es sich dabei dann um Werbung handelt, ist für mich genauso unsinnig, wie für die vielen Menschen, die dafür bzw. gegen den Paragraphen demonstrieren gingen. Und umso mehr ich mich mit dem Thema beschäftigte, nicht zuletzt auch während der Entwicklung, umso mehr erkannte ich natürlich auch, dass mich das Thema als Mann und Mensch natürlich genauso betrifft, da ich es sehr problematisch finde, wenn es unnötig schwierig ist an solche Informationen zu gelangen. Es ist auch ein bisschen die Frage, in was für einer Gesellschaft man eigentlich leben möchte und was ich mit meinen Skills tun kann, um sie vielleicht ein bisschen schöner zu machen.

Meine erste Reaktion war natürlich, dass ich diese Infos dann eben auf meinen Websites veröffentliche, aber das fand ich dann etwas zu klein gedacht, da ja eigentlich jede Website darüber informieren könnte, es für manche aber vielleicht auch ein bisschen schwieriger ist. Da war die Idee eines Plugins, das die Arbeit komplett und selbstständig übernimmt, eigentlich relativ schnell geboren, zumal knappe 40% der von Statista untersuchten Webseiten mit WordPress betrieben werden, was einen Marktanteil von knappen 65% ausmacht und ich das für sehr viel halte, wobei ich mir in der Zielgruppe auch noch sehr viel höhere Zahlen vorstellen kann.

Außerdem konnte ich die Gelegenheit nutzen und endlich mal ein WordPress-Plugin programmieren und es bis zur Veröffentlichung im offiziellen Plugin-Verzeichnis treiben, was tatsächlich genau gestern Abend geschah. Und ich bin gerade sehr stolz darauf!

Aber was tut es?

Das Plugin blendet eine handliche Schaltfläche auf den Seiten des Blogs ein, einen sogenannten Störer, mittels derer sich ein Tooltip öffnet, in dem ganz viele Informationen zu Schwangerschaftsabbrüchen aufgezählt werden. Im Grunde muss es lediglich installiert werden und funktioniert quasi out of the box so, wie es beispielhaft auf dieser Website hier der Fall ist.

Beispielhafte Darstellung des Störers samt Tooltip

Natürlich gibt es trotzdem eine Seite im Backend, auf der berechtigte User verschiedene Einstellungsmöglichkeiten haben:

Einstellungsseite des Plugins

Ich denke, das ist soweit auch alles relativ selbst erklärend, bis auf die Möglichkeit, die Schaltfläche vor angemeldeten Usern zu verbergen: Hintergrund ist einfach der, dass ein Freund dieses Plugin vielleicht gerne auf die Website seiner Firma schmuggeln wollte, ohne dass es der Chef bemerkt. Nun hoffen wir einfach, dass alle Vorgesetzten ausschließlich angemeldet auf ihren eigenen Websites unterwegs sind und den Störer einfach nicht bemerken. Ein bisschen Getrolle muss auch mal drin sein, gerade bei so einem Thema.

Ich war auch so frei und habe meinen Ko-Fi-Link in auf die Einstellungsseite getan, weil ich durchaus die Erfahrung machte, dass solche Dinge gerne unterstützt werden und ich freue mich natürlich über jede Mark, die mir da via PayPal in die Kaffeekasse getan wird, wie sich auch die alternativen Spendenmöglichkeiten über jede Art der Zuwendung freuen. Aber wie gesagt, das ist alles kein Muss und hat keinen Einfluss auf die mögliche Weiterentwicklung oder Verfügbarkeit. Macht einfach, wie ihr es für richtig haltet oder gebt einfach der nächsten guten auf der Straße musizierenden Person einen Euro für mich mit. Das fände ich auch schön.

Woher stammen die Texte?

Die Texte stammen alle von der Website abtreibung-info.de, die diese bereites in leicht abgeänderter Form von der Website von Dr. Hänel übernahmen. Ich habe sie noch etwas angepasst und am Ende einfach so eingefügt (allerdings finde ich den Begriff Abtreibung etwas schwierig, na ja).

Gibt es schon Pläne zur Weiterentwicklung?

Nach dem Release ist bekanntlich vor dem Release, daher habe ich schon ein paar Ideen für Weiterentwicklungen. Ich denke beispielsweise darüber nach, ob ich nicht eine Unterscheidung in der Ansprache (Du vs. Sie) anbieten sollte, damit die Admins ihre User auf eine gewohnte Weise ansprechen können.
Es könnte auch sinnvoll sein, weitere Gestaltungsmöglichkeiten des Störers, über Größe bis hin zum Text, anzubieten oder generell mehr Freiheiten im Design zu ermöglichen. Aber wer weiß, welche Anforderungen da zukünftig noch an mich herangetragen werden.

Ich weiß beispielsweise auch von einer Website, bei der der Störer nicht auf der Startseite eingebunden wird. Diese Auffälligkeit könnte ich auch mal weiter erforschen.

Wie kann ich das denn nun installieren und benutzen?

Sofern ihr nicht wisst, was ihr da tut (und zum Beispiel selbst gerade ein Plugin entwickelt), solltet ihr WordPress-Plugins ausschließlich über das offizielle Verzeichnis installieren, wo ihr auch mein „WEG MIT §219a!“-Plugin finden könnt. Das funktioniert genauso gut als direkter Download, als auch über die WordPress-interne Plugin-Suche. Den Weg solltet ihr ja kennen, hoffe ich.

Und sonst noch?

Ich möchte mich an dieser Stelle vor allem nochmal bei meinen Freund:innen bedanken, die mir da sehr viel tollen Input oder auch Zuspruch und Erklärungen lieferten oder sogar die Beta-Versionen auf ihren Blogs testeten. Am Ende des Tages steht man eben doch nicht alleine da.

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Hallo! Mein Name ist Marco Friedersdorf und bin Freelancer im Bereich der Software-Entwicklung und IT-Beratung. Mit Artikeln wie diesem möchte ich einen kleinen Einblick in meine Arbeit geben und über die Dinge sprechen, die mich als Informatiker beschäftigen.
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